
Spieleranalyse: Paul Pogba
Geschrieben von Liran Froind
Vierfacher Serie-A-Champion, fünf nationale Pokalsiege, einmal Europa League – und jetzt auch noch Weltmeister (Pogba ist 25 Jahre alt). Paul Pogba galt einst als teuerster Fußballer der Welt und zählt zu den ganz Großen seiner Generation.
Doch zwischen Glanzleistungen mit Traumtoren und Man-of-the-Match-Awards zeigt Pogba manchmal unauffällige Spiele, in denen er nicht wie ein 100-Millionen-Euro-Mann wirkt (die Pogba-Ablöse kostete Manchester United über 106 Millionen Euro und ist damit heute der sechstteuerste Transfer aller Zeiten).

Pogba: Ein polarisierender Star
Pogbas außergewöhnliches Talent steht außer Frage, aber seine Leistungen sind oft schwankend (und nein, es liegt nicht nur an seinen Frisuren). Experten und Journalisten suchen ständig nach Antworten.
Pogba-News sind oft negativ: „Im Moment sehe ich einen jungen Mann, der im Spiel verloren wirkt, ich glaube nicht, dass er weiß, was er tut“, urteilte Graeme Souness (2017/18). Und United-Legende Paul Scholes meinte, Pogba zeige nur in jedem dritten oder vierten Spiel sein Potenzial – „und das reicht einfach nicht, wenn man Titel gewinnen will“.
Nach dem Pogba-Transfer 2016 zu Manchester United waren sich viele einig: Seine Inkonstanz wird vor allem durch seine Spielposition bestimmt.
Ist er ein defensiver Mittelfeldspieler? Handfest und physisch (1,91m, 84 kg) spricht einiges dafür. Andere sehen ihn als kreativen Strategen, der mit Distanzschüssen und genauen Pässen in der Offensive Akzente setzt. Schauen wir uns an, wie Pogba bei verschiedenen Teams und Formationen eingesetzt wurde.
Varianten im zentralen Mittelfeld
Zentralmittelfeld (ZM) heute: Weg vom klassischen 2er-Sturm und Doppel-ZM hin zu Dreier-Ketten.
- Defensiver ZM: Schutz für die Abwehr, ermöglicht den Kollegen mehr Freiheiten nach vorne. Berühmte Beispiele: Roy Keane, Claude Makelélé.
- Box-to-Box ZM: Enorme Ausdauer, hilft hinten, stößt aber nach vorn. Startet Konter und taucht „aus dem Rückraum“ zum Abschluss auf. Unterschiedliche Gewichtung: Pirlo & Vieira (defensiver), Xavi & Lampard (offensiver), Gerrard & Schweinsteiger (ausgeglichen).
- Offensiver ZM/Ten: Spielmacher, agiert frei in der Offensive. Spezialität: tödliche Pässe und Dribblings durch die Abwehr. Beispiele: Zidane, Iniesta.
Schauen wir, wo Pogba am stärksten performt. Talent hat er genug, aber entscheidend sind: taktisches System, Mitspieler und klare Rollenzuweisungen des Trainers.
Juventus: 2012-2015
Bei Juve agierte Pogba zusammen mit Pirlo, Marchisio und Vidal in einem eingespielten Mittelfeld. Pirlo kümmerte sich meist defensiv, während Marchisio/Vidal Offensivaufgaben übernahmen. Dadurch konnte Pogba als klassischer Box-to-Box-Spieler glänzen. Über 40 Einsätze pro Saison, drei Landesmeistertitel in Serie, Pokale und das Champions-League-Finale 2015.
Juventus: 2015-2016
Im letzten Jahr veränderte sich das Mittelfeld: Pirlo und Vidal weg, Khedira als neuer „Abräumer“. Khedira übernahm die defensive Rolle, Pogba und ggf. Marchisio agierten weiter vorn. Mit Marchisio/Khedira blieb Juve fast unbesiegbar, ohne sie gab’s klare Schwächen. Pogba spielte je nach Aufstellung als Offensivkraft oder Box-to-Box, erzielte 10 Tore und 16 Assists – seine beste Saisonbilanz.


Manchester United: 2016-2017
Im ersten United-Jahr lief es fürs Team (Europa League & League Cup), aber nicht für Pogba persönlich. Der Grund: viele Wechsel im Mittelfeld. Erst spielte Fellaini defensiv, dann Herrera, mal als Partner, mal mit Carrick. Pogba rotierte zwischen #10 und Box-to-Box. Durch ständige Systemänderungen fehlte ihm die Konstanz, die er in Turin hatte.
Manchester United: 2017-2018
Hier wurde es besser: In 96% seiner Premier-League-Einsätze spielte Pogba mit Matić als defensivem ZM. 16 Torbeteiligungen in 25 Spielen (Vorjahr: 9 in 30), trotz Verletzungspause. United wurde Vizemeister – das beste Ergebnis seit Ferguson. Aber auch hier gab‘s wenig Konstanz auf den Flügel- und Angriffspositionen. Pogba musste flexibel zwischen verschiedenen Rollen wechseln, was ihn erneut ausbremste.
Frankreich: EM 2016
Unter Trainer Deschamps stieg Frankreich wieder zur Weltklasse auf. Bei der EM 2016: Griezmann übernahm die #10, Pogba unterstützte offensiv. Defensiv erhielt er Rückhalt durch Matuidi oder Kanté. Das Team erreichte das Finale (knappe 0:1-Niederlage gegen Portugal).
Frankreich: WM 2018







Wo spielt Pogba am besten?
Wäre ich Pogba-Trainer, würde ich ihn als box-to-box ZM mit Defensivaufgaben einsetzen – allerdings immer neben einem klassischen, defensiven ZM (wie Khedira, Matić, Kanté) und einem klaren Zehner davor. Idealerweise bleibt die Aufstellung wochenlang gleich.
Fußball ist Teamsport – Pogba hat Frankreich nicht allein zum Weltmeister gemacht, aber ohne seine stabile Rolle wäre es unmöglich gewesen. Nach dem WM-Erfolg hat Frankreich die ideale Formel gefunden. Es bleibt spannend, wie Mourinho Pogba bei United einsetzen wird!